Regula Variant 740-2 MFD: der perfekte Strobisten Blitz

Heute möchte ich einen interessanten Strobigsten Blitz vorstellen, den Regula Variant 740-2 MFD. Der Blitz wird leider nicht mehr hergestellt ist aber noch relativ häufig – und vor allem günstig – auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Es gibt ihn auch unter anderem Namen als Porst MDC 400-2 und Carena MDC 400-2. Diese drei Geräte sind jedoch bis auf den Aufdruck komplett identisch.

Der Regula Variant 740-2 MFD und seine baugleichen Zwillinge Porst MDC 400-2 und Carena MDC 400-2.
Der Regula Variant 740-2 MFD und seine baugleichen Zwillinge Porst MDC 400-2 und Carena MDC 400-2.

Anscheinend gibt es auch noch eine Variante dieses Blitzes ohne zweiten Aufhell-Reflektor an der Front. Zumindest gibt es von Regula eine Anleitung für beide Blitze: 740-1 MFD und 740-2 MFD zusammen. Demnach sollte es auch die Carene/Porst Variante mit nur einem Blitzreflektor und dem Namenszusatz 400-1 geben. Tatsächlich habe ich diesen Blitz noch nie bei eBay oder anderer Recherche im Netz jemals gefunden.

Vorsicht! Verwechslungsgefahr: Regula Variant 740-2 MC

Der Regula Variant 740-2 MC ist eine abgespeckte Version, die ich nicht empfehlen kann, da der MC gegenüber dem MFD keine manuelle Regelung der Blitzleistung ermöglicht. Und genau da liegt der Vorteil des 740-2 MFD, der ihn als Strobisten Blitz so interessant macht.

Regula Variant 740-2 MFD Rückseite
Der 740-2 MFD kann daran erkannt werden, dass er rechts einen Schalter M/C hat, an dem zwischen Computer und Manuell umgeschaltet werden kann. Der untere Schieberegler steuert dementsprechend entweder die Blitzleistung (1/1 1/2 1/4 1/8 1/16) oder das Computerprogramm (I II III IV V).

Manuelle Steuerung der Blitzleistung in Zeiten von E-TTL & Co. Ist das noch aktuell?

Alle Welt redet von TTL-Blitzsteuerung, warum also so etwas antiquiertes wie manuelle Steuerung der Blitzleistung? Diese Frage wird häufig gestellt, wenn unerfahrene Fotografen sehen, dass man seine moderne digitale Spiegelreflex-Kamera zusammen mit 30 Jahre alten Blitzgeräten verwendet. Doch was ist der Vorteil von manueller Blitzregelung? Kurz gesagt, man kann die Beleuchtung (nicht Belichtung) deutlich vielfältiger steuern, als wenn man dieses einer Automatik überlässt.

Ein Blitz wirkt unnatürlich – warum wirken dann zwei nicht noch unnatürlicher?

Wir alle kennen das, der eingebaute oder aufgesteckte Blitz leuchtet das Bild zwar frontal gut aus, es ist alles gut zu erkennen – aber wirklich schön sieht das Bild nicht aus. Vor allem geht die räumliche Wirkung des natürlich (oder auch durch Lampenarrangements) vorhanden Lichts kaputt, wird brutal von vorne ausgeleuchtet. Hinzu kommen unschöne Schlagschatten an der Wand hinter dem fotografierten Objekt. Demgegenüber fehlen beim frontalen Blitz die Schatten im Gesicht, die bei seitlichem Licht entstehen würden und uns helfen, die Dreidimensionalität in einem zweidimensionalem Foto zu erfassen.

Fotostudio mit nur einem Blitz?

Jeder der einmal bei einem Fotografen Bewerbungsfotos hat anfertigen lassen, weiß, dass in einem professionellen Fotostudio nicht nur ein Blitzlicht zur Anwendung kommt. Hier gibt es ein Licht von der Seite – meistens eine große Softbox, auch Lichtwanne genannt, die ein weiches Licht abstrahlt. Eine oder mehrere Lampen leuchten der Hintergrund aus und ein weiteres Licht zaubert einen Glanz von oben in die Haare (dies ist das Headlight). Eine Beautydish hellt das Licht auf der Seite des Gesichtes auf, dass dem Hauptlicht abgewandt ist. Wir sehen also, dass hier viele verschiedene Blitze zum Einsatz kommen, die alle natürlich mit unterschiedlicher Intensität das Bild ausleuchten. Und glauben Sie mir, keine Automatik der Welt kann bestimmen, welche Lampen mit welcher Intensität blitzen sollen, dies kann nur die kreative Vorstellungskraft eines geübten Fotografen entscheiden.

Fotostudio im Rucksack

Und hier kommt die manuelle Regelung der tragbaren Blitze ins Spiel. Ursprünglich wurden diese Blitze dafür konzipiert, dass sie auf die Kamera gesteckt werden um das Foto frontal auszuleuchten. Da es zu Beginn keine Automatik-Programme an den Blitzen gab, mussten die Fotografen die richtige Blende mittels Entfernung und Blitzleistung abschätzen bzw. ausrechnen.

In den 1970er Jahren kamen dann Blitzgeräte auf den Markt mit einem sogenannten Thyristor, der die Blitzleistung regelt. Ein weiterer Sensor misst hierbei die reflektierte Lichtmenge und schaltet den Blitz innerhalb von Tausendsteln von Sekunden aus, sobald eine ausreichende Lichtmenge reflektiert wird. Diese – damals – neuartigen Blitze haben also die Möglichkeit, die Blitzleistung zu regeln, häufig fehlt hier jedoch eine manuelle Einstellmöglichkeit, da man den Anwendern ja gerade die Arbeit des Rechnens und Schätzens abnehmen wollte. Stattdessen braucht auf der Rückseite des Gerätes die Blende und Filmempfindlichkeit angegeben werden und der eingebaute Prozessor regelt die Blitzleistung vollautomatisch. Eine manuelle Regelung einzubauen, wäre aus dieser Sicht absurd gewesen.

Daher gibt es nur wenige hochwertige Steck-Blitze, die für professionellere Anwender gedacht sind und eben das Feature der manuellen Regelbarkeit enthalten oder als Nachrüstsatz bieten, wie zum Beispiel die Metz Stabblitze, die durch Zusatzgeräte erweitert werden konnten.

Der Regula Variant 740-2 MFD ist einer der wenigen Kompakt-Blitzgeräte, der sich auch manuell regeln lässt. Ein weiterer Vertreter mit ähnlicher Leistung sind der Vivitar 285 HV / 283 oder der Sunpak 383, auf die ich weiter unten noch kurz eingehe. Der 740-2 hat ein zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ist der Blitz gebraucht für 10 bis 20 Euro z. B. bei eBay zu bekommen. So lässt sich leicht ein Set von zwei bis vier Blitzen zusammenstellen, mit denen man ein mobiles Fotostudio aufbauen kann.

Blitzspannung kann die Elektronik einer digitalen Spiegelreflexkamera zerstören

Weiterhin ist mir bisher kein Exemplar untergekommen, dass eine höhere Spannung als 12 Volt an den Blitzkontakten aufweist. Gerade der Vivitar ist erst seit Ende der 1990er Jahre mit einer geringen Blitzspannung zu bekommen. Die älteren Modelle haben ca. 300 Volt Spannung auf den Kontakten – und das kann das Ende für moderne Spiegelreflexkameras bedeuten.
In der folgenden Liste kann die Blitzspannung verschiedener Blitzgeräte nachgeschlagen werden.

Spannung am Blitzschuh des Regula Variant 740-2 MFD
Mit einem Spannungsmesser lässt sich die Spannung am Blitzschuh des Regula Variant 740-2 MFD messen. In diesem Fall sind es ca. 12 Volt.

Ich stelle im folgenden eine bei dem Online-Auktionshaus eBay zur Verfügung. Mit ein bisschen Glück findet man den Blitz für 10 bis 20 Euro.

Der Vivitar 283 (Affiliate-Link) bzw. 285 (Affiliate-Link) ist vor allem in den USA weit verbreitet. Die neue Version 285 HV (Affiliate-Link) ist für moderne Kameras angepasst worden, indem die Trigger-Spannung reduziert wurde. Vorteil: kann noch als Neugerät (in dieser Form seit den 1970er Jahren!) mit Garantie gekauft werden. Nachteil: die ältere Version (ohne HV) braucht einen Aufsatz, um die Belichtung manuell einstellen zu können. Der 285 HV wird mit Vari Power Modul zur manuellen Steuerung geliefert. Ich mag den Vivitar gerne, da er robust ist und irgendwie schick aussieht, allerdings hatte ich nur einmal die alte 283 Variante mit ca. 300 Volt Spannung am Blitzfuß. Auch bietet das Vari Modul anscheinend nur vier Regelstufen: 1/1 1/2 1/4 1/16. Der Regula Variant bietet außer diesen noch die Stufe 1/8.

Eine weitere Alternative ist der Yongnuo Speedlite YN 465 (Affiliate-Link), ein chinesisches Modell, das zusätzlich zu manueller Regelbarkeit noch eine E-TTL II Funktionalität aufweist, also kompatibel mit der Blitzautomatik von modernen Canon EOS Spiegelreflexkameras (D-SLRs) ist. Ich bin mit meinem zufrieden, habe mir aber nur einen geholt, da ich keinen Gebrauch für mehr als einen E-TTL-Blitz habe. Der YN 465 kann wie folgt geregelt werden: 1/1 1/2 1/4 1/8 1/16 1/32 1/64 1/128 und ist außerdem recht günstig zu haben. Den aktuellen Nachfolger YN 468 II kenne ich leider nicht, aber was soll da schon schlechter geworden sein? (Es gibt auch eine Variante für Nikon).

Von Yongnuo gibt es auch einen rein manuellen Blitz, den Yongnuo YN 560 II (Affiliate-Link). Ich selbst kenne ihn nicht, aber von den Amazon-Beschreibungen her macht er einen sehr guten Eindruck.

8 Gedanken zu „Regula Variant 740-2 MFD: der perfekte Strobisten Blitz“

  1. Super Beitrag, danke!

    Ich hab hier noch einen Regula Variant 740 CTX rumliegen. Traue mich aber nicht den an die D700 anzuschließen… Hab mir jetzt Funkauslöser bestellt zum herumexperimentieren 🙂

    Das Einzige was mich nervt sind die langen Ladezeiten, vielleicht hast du noch einen Tipp bei welchen alten, günstigen Blitzen das ganze schneller geht?

    LG Ute

    1. Hallo Ute,

      vielen Dank für die Komplimente – freut mich, dass Dir der Artikel gefällt.
      Zum CTX: Ich würde den wahrscheinlich auch nicht an meine Kamera anschließen. Laut diesem Forenbeitrag liegt hier eine Spannung von ca. 125 Volt an.
      Sollte zwar an meiner EOS 20D kein Problem sein, die verträgt bis zu 250 Volt – aber ein unangenehmes Gefühl hätte ich schon dabei. Was die Nikons vertragen, weiß ich nicht.

      Abhilfe kann z. B. dieser Safe Sync Schutzschalter bieten, der die Blitzspannung runter regelt. Allerdings lohnt der sich nur bei teuren Blitzgeräten, da häufig für das gleiche Geld ein gebrauchter Blitz zu bekommen ist. Ein weiterer Nachteil: Vergisst oder verwechselt man den Adapter, kann schnell die Kamera kaputt gehen – gerade wenn man eher selten Blitzt kann einem das leicht passieren. Ich habe daher alle Blitze ausrangiert, die eine zu hohe Spannung haben.

      Aber bevor Du einen Funkempfänger opferst, würde ich wahrscheinlich doch eher den Safe Sync verwenden.

      Wegen den Ladezeiten: Mit Akkus habe ich im Regula Variant gute Zeiten (2 bis 3 Sekunden) wenn die Akkus gut geladen sind, vielleicht ist das beim CTX anders?

      Viel Spaß beim Blitzen Kristian

    2. Deutlich schneller sind die Blitzgeräte von braun !
      BRAUN Ultrablitz 38 M wird mit 6 Mignonzellen gefüttert statt der üblichen 4 Zellen, d.h. bei Alkalizellen 9 Volt und bei NiMH-Akkus 7,2 Volt statt 6 bzw. 4,8 Volt.
      Weitere Vorteile gegenüber dem Regula:
      – unproblematische Spannung am X-kontakt
      – Mehr Spielraum bei Weitwinkel und Tele durch fest eingebauten Zoomreflektor
      – Stufenlose manuelle Leistungsregelung mit 3 Rasten bei voller, halber und viertel Leitzahl (38/19/9,5)
      – Serienbildtauglich bis zu 8 Bilder pro Sekunde (getestet an Samsung NX20!)
      – Automatik bei allen ganzen Blenden zwischen 2,8 und 16 bei allen ISO-Zahlen zwischen 25/15 und 1000/31
      – bei bewusster Manipulation der ISO-Zahl ist sogar ein Automatik-Betrieb bei allen drittel Blendenzahlen zwischen 1,0 und 32 möglich!

      1. Danke für Deinen Tipp, Michael! Ich glaube, da werde ich mal nach einem Blitz Ausschau halten. Wenn ich den in die Finger bekomme, berichte ich hier.

  2. Hallo.

    Beim googeln hier über diese Seite gestolpert bin.  Habe auch so ein Blitz – also die Regula Variant 740-2MFD geerbt. Nur Ohne Anleitung……… – und da geht`s los.  Wer hat – oder wo bekomme / oder kann ich sowas von dem Blitz downloaden.???  Über eine Antwort, würd ich mich sehr freuen.

    Gruß von Norbert.

  3. Hallo,

    auf der Rückseite des 740-2 MC (Abbildung oben) ist links eine dreiteilige Buchse abgebildet, diese ist für das Regula Netzteil LG31. So eins suche ich. Bis jetzt habe ich herausgefunden es hat 6 Volt =. Alle Auktionen wo ein andere r Regula Blitz mit LG31 angeboten wurde, konnten (oder wollten) mir die Kontaktbelgung nicht mitteilen. Mir ist auch nicht klar, was macht der dritte Kontakt? Das LG31 soll es auch ermöglichen die Akkus zu laden (heute nicht mehr so wichtig) und/oder mit dem Netzteil zu blitzen.

    Beim Porst TM 40 CX (weiter entwickeltes Regula Variant 740 ctx) wird bei Umstellung auf manuell der rechte Kontakt blockiert, es bleiben 2 Kontakte frei, was hat das für das Netzteil zu bedeuten? In der (englischen Beschreibung des Regula Variant 740 ctx) wird LG31 erwähnt.

    WEr also ein LG31 verwendet oder hat, möge bitte die Kontaktbelegung posten und evtl. etwas zum reinen Netzteibetrieb sagen.

    Danke für die rege Beteiligung!

    1. Das Netzteil wurde zur damaligen Zeit nicht nur zum Laden der Akkus benutzt, sondern parallel zur Stromversorgung des Blitzes! Dabei wurde mechanisch über den Ein/Aus-Schalter verhindert, dass die Akkus beim Ladevorgang den Blitz mit Energie versorgen müssen. Daher wurden auch die drei Kontakte benötigt, ein damals gängiges Verfahren.

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