Analoge Farbnegative im C-41 Prozess per Hand selber Entwickeln – Anleitung zum selbst Entwickeln

Farbbilder selber entwickeln ist kinderleicht. Häufig wird behauptet, es sei ein sogenannter Prozessor notwendig, da die Temperaturen der Entwickler-Chemikalien im 0,1-Grad-Bereich genau eingehalten werden müssten und die Rotationsgeschwindigkeit und Entwicklungsdauer sehr genau definiert sind.

Tatsächlich ist es nur geringfügig mehr Aufwand als Schwarz-Weiß-Negative zu entwickeln. Das Ansetzen der Chemikalien ist mit dem Tetenal C-41 Set sogar noch einfacher und wer bereits s/w entwickelt hat, hat schon alle Utensilien zuhause.

Ein toller Trick, den ich mal in einem Forum gelesen habe: anstelle einer teuren Rotationsmaschine oder einer anderen Entwicklermaschine kann man die Entwicklerdose auch einfach im gefüllten Waschbecken per Hand rotieren lassen. Das Wasserbad hält den Entwickler auf der richtigen Temperatur und die Luft in der Dose verändert ein Absinken und macht somit das Rotieren per Hand sehr einfach.

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Benötigt wird:

  • Entwickler-Chemikalien für den C41-Prozess. Ich verwende das Kit von Tetenal.
  • genaues Thermometer – es muss kein Colorthermometer (affiliate link) sein, dieses Thermometer (affiliate link) genügt vollkommen
  • Entwicklerdose: ich verwende die von Jobo (affiliate link), es gibt auch eine kleinere Variante (affiliate link), wenn man nur Kleinbild verwenden möchte. Um sich die Option für Mittelformat offen zu halten, würde ich die wenigen Euros mehr ausgeben anstatt mittelfristig neu zu kaufen. Günstiger sind die Entwicklerdosen von AP, Patterson oder Kaiser (affiliate link) – damit habe ich aber nur wenige Erfahrungen und kann daher nicht viel zu den Unterschieden sagen.
  • Wechselsack (affiliate link), um die Filme bei Dunkelheit einspulen zu können, ohne einen ganzen Raum abdunkeln zu müssen. Nach dem Einspulen kann im Hellen weiter gearbeitet werden.
  • drei Flaschen für Chemikalien (1 l – es geht aber auch, wenn man die Hälfte ansetzt, ich benutze z. B. 500 ml Flaschen)
  • Haushaltseimer
  • Haushaltshandschuhe
  • Stoppuhr
  • Messbecher
  • Trichter

Chemikalien ansetzen

Zunächst werden die Chemikalien angesetzt. Das Tetenal-Set hat schon alle Einzelchemikalien als Lösung vorbereitet. Diese braucht man nur noch in entsprechender Menge Wasser in angegebener Reihenfolge einrühren.

Filme einspulen

Danach werden die Filme wie gehabt in die Entwicklerdose eingespult. Ich verwende hierzu einen Wechselsack: Ein dunkler Stoffbeutel mit Reißverschluss und doppelter Knopfleiste sowie zwei Handeingriffen mit doppeltem Gummizug. So kann man ohne Dunkelkammer die Filme einspulen.

Chemikalien temperieren

Nun wird der Eimer mit warmen Wasser gefüllt und die Flaschen mit den Chemikalien hereingestellt. Die Wassertemperatur soll deutlich höher als 30 Grad sein. Jetzt wird solange gewartet, bis die Temperatur bei 30 bis 31 Grad Celsius liegt.

Die Flaschen mit den Entwickler-Chemikalien werden vortemperiert.
Die Flaschen mit den Entwickler-Chemikalien werden vortemperiert.

Während wir warten können wir im Waschbecken warmes Wasser einlassen. Auch dies soll deutlich über 30 Grad warm sein – besser noch heißer als das Wasser im Eimer, da das Waschbecken schneller auskühlt als der Wassereimer. Ich lege hier die Entwicklerdose herein, um den Film bereits vorzutemperieren.

Der Film wird mit der Entwicklerdose im Waschbecken vortemperiert.
Der Film wird mit der Entwicklerdose im Waschbecken vortemperiert.

Das Wasser im Waschbecken wird gebraucht, um die Entwicklerdose während des Entwicklungsprozesses auf 30 Grad zu halten.

Vorwässern

Nun wird der Film in der Dose mit temperiertem Wasser (am besten aus dem Waschbecken) auf 30 Grad eine Minute lang vorgewässert. Danach das Wasser ausschütten. Das Vorwässern ist notwendig, um den Film auf die richtige Temperatur zu bringen.

Film eine Minute Vorwässern.
Film eine Minute Vorwässern.

Entwickeln

Jetzt wird der Entwickler eingefüllt und die Stoppuhr gestartet.

Entwickler einfüllen.
Entwickler einfüllen.

 

Stoppuhr starten.
Stoppuhr starten.
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Dose per Hand drehen – ca. zwei bis drei mal pro Minute die Richtung wechseln.

 

Zum Entwickeln wird die Dose 7,5 Minuten lang im Waschbecken per Hand gedreht. Dabei sollte zwei bis drei mal pro Minute die Richtung gewechselt werden, um Schlierenbildung bei der Entwicklung zu verhindern.

Danach den Entwickler zurück in die Flasche füllen. Jetzt geht es deutlich entspannt weiter.

BX – Bleichfixierbad

Das Bleichfixierbad löst ähnlich wie beim Schwarz-Weiß-Prozess die Silberkristalle heraus – aber nicht nur die unentwickelten sondern auch die belichteten/entwickelten. Übrig bleiben die Farbkuppler.

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Bleich-Fixier-Bad einfüllen.

Das Bleichfixierbad kann auch im Kipp-Rhytmus entwickelt werden (10 Sek. kippen je Minute – Dauer vier bis fünf Minuten). Ich mach es jedoch auch in der Rotation, da ich so weniger Chemikalien-Ansatz benötige. Hier muss aber nicht so genau auf Geschwindigkeit und Richtungswechsel geachtet werden, wie dies beim Entwickler der Fall ist. Auch kann die Temperatur ruhig etwas niedriger liegen.

Nach dem Bleichen und Fixieren zwischenwässern.

Stabilisator

Als letzter Schritt der Entwicklung wird das Stabilisator-Bad eingeschüttet. Das Stabilisatorbad verhindert, dass sich im Film Sporen oder Keime festsetzen, somit wird die Lagerdauer deutlich erhöht. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass dem Wasser die Oberflächenspannung genommen wird, wodurch sich beim Trocknen keine Wasserflecken bilden.

Stabilisator-Bad in die offene Dose einschütten.
Stabilisator-Bad in die offene Dose einschütten.

Dann wird die Spirale mit Film ein paar mal ein- und ausgetunkt.

Film trocknen

Nach einer Minute kann der Film heraus genommen werden und zum Trocknen aufgehängt werden. Ich streife ihn vorher sanft mit den Gummihandschuhen ab, damit es keine Flecken gibt.

Film mit Gummihandschuhen vorsichtig abstreifen.
Film mit Gummihandschuhen vorsichtig abstreifen.
Film an aufgebogenen Büroklammern aufhängen.
Film an aufgebogenen Büroklammern aufhängen.

Über einen Kommentar mit Anmerkungen, Anregungen, Kritik oder einfach Euren eigenen Erfahrungen würde ich mich sehr freuen.

Contax II & Kiev 4 Viewfinder Mask Adaptor Project

In this article I want to give some information about my effort on creating an optical viewinder adaptor for Contax II and Kiev 4 cameras. The intention is to be able to use different focal lengths on the internal viewfinder so that no more extra viewfinder – like the turret viewfinder – is needed.

I had the idea in creating one since I read about the Leica M3 (?) and it’s special version of a Summicron 35 mm lens that comes with attached lenses that change the angle of view of the viewfinder. You can see an example on this great Leica-Fan-Site (which is in german only – sorry about that).

I am using a Kiev 4 for budget reasons so I was looking for a rather inexpensive solution  and thought about fixing an adaptor on the tripod mount because I did not wanted to make the lightmeter on my Kiev 4 obsolete.

About the same time I bought my Kiev 4a – the one without light meter – I found an article about cheaply creating a finder mask for tele lenses on rick olesons great site. This gave me the idea to create a simple mask made of adhesive tape that can be used on the Kiev 4 and Kiev 4a without blocking the light meter.

Btw.: it is a bit hard to read on Ricks notes – the size of the mask is calculated the following way:
mask size = RF size · 50 ÷ f

Kiev 4a with viewfinder mask
Kiev 4a with a simple viewfinder mask made of adhesive tape, cardboard and black paint.

The problem about this finder is that even tiny changes in the position of the mask have huge impact on the framing of the picture. My first roll had real problems with cut off parts in the pictures.

I thought if I put two lenses in front of the viewfinder windows in front of the camera with the proper dioptre my problems could be solved. So I went to a local optician and asked if this is technically possible. He explained that this might be no problem as long as I deliver him a frame in which he could put the cut out lenses. The lenses itself will be rather cheap (approximately 12 Euros each if I remember correctly).

Since then a few years are gone, I was really busy raising the kids and work wise. So I restarted this project and found a place that cuts out aluminium plates from an uploaded CAD-File – or even they deliver a software where you can manipulate the CAD file and instantly check the price upload and order. Sorry – for this software again is in german only.

So I designed a frame already, if the budget allows I will order it next month and see if I can get the lenses attached to it. I will continue this article if anything new happens here.

Bildschirmfoto 2013-02-19 um 16.14.18
Screenshot of the software FrontDesign that allows to design, calculate and order aluminium plates in different thickness and finishes.

I will also share the FrontDesign-CNC-File in case you would like to do development on this on your own. Only thing I demand is that you leave a comment here if you did any development on this:

Download: Kiev IV Brille optisches Glas.bak

Update:

After playing around with this masking idea I figured out that there are big problems with parallax. It would be needed to add some marks for close up focus since the magnification gets bigger if you focus closer adding with the growing effect of parallax which gets bigger the closer you focus either.

Since these are too big technical problems I actually do not focus on this project in the moment any more but bought me a turret finder for the Kiev 4 camera. Anyway the mask can work fine if you bear these limitations in mind.

Mirrored Zeiss Turret Viewfinder copy from Arsenal Kiev. The Viewfinder can be used for 28, 35, 85 and 135 mm lenses on the Kiev 4. On this picture you can see, that the viewfinder can be switched for parallax compensation if you are focusing closer.
Mirrored Zeiss Turret Viewfinder copy from Arsenal Kiev. The Viewfinder can be used for 28, 35, 85 and 135 mm lenses on the Kiev 4. On this picture you can see, that the viewfinder can be switched for parallax compensation if you are focusing closer.
The Kiev 4 camera with a Jupiter 11 lens and the Arsenal Kiev copy of the Zeiss Turret Viewfinder.
The Kiev 4 camera with a Jupiter 11 lens and the Arsenal Kiev copy of the Zeiss Turret Viewfinder.
Here you can see how the mirrored design of the Arsenal Kiev Turret Viewfinder prevents itself from building an obstacle for accessing the controls of the Leica II camera and its copies like the Zorki or FED.
Here you can see how the mirrored design of the Arsenal Kiev Turret Viewfinder prevents itself from building an obstacle for accessing the controls of the Leica II camera and its copies like the Zorki or FED.
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If you are interestet in buying a kiev 4 camera or anything else on eBay you can support this blog by using the following link:
eBay Search for Kiev 4 (affiliate link)

 
eBay search for Jupiter 11 lens (affiliate link)

Gossen Lunasix F aka Luna Pro F

Ich möchte hier meinenvorstellen.

Es handelt sich um einen der letzten analogen Belichtungsmesser. Der Vorteil dieses Systems liegt in der Nadel, die bei dauerhaft arretierter Messtaste permanent die Messergebnisse anzeigt. So lässt sich leicht der Kontrastumfang eines Bildes ausmessen. Die Skala 3  |  |  2  |  |  1  |  |  0  |  |  1  |  |  2  |  |  3 steht hierbei für Blendenstufen. Bleibt die Nadel z. B. links von der Null stehen, ist der Bildbereich dunkler als ein mittleres Grau. Die Ziffern geben dabei die Abweichung in ganzen Blendenstufen an, die Striche stehen logischerweise für jeweils 1/3 Blenden. Mittels dieser Skala kann leicht nach dem Zonensystem gearbeitet werden.

Ich verwende es in einer vereinfachten Form, indem ich mittels

die gewünschten hellsten Bereiche anmesse und die Nadel auf plus 3 stelle. Oder, wenn ich mit Blitz arbeite, das Hauptobjekt auf 0 ausmesse und dann den Hintergrund – wenn ich diesen komplett weiß freistellen möchte – so ausleuchte, dass dieser auf 2 oder 3 gemessen wird.

Gleiches gilt natürlich umgekehrt, möchte man eine Low-Key-Auffassung erzielen.

Die folgende Abbildung zeigt die wichtigsten Funktionen im Überblick. Der Lunasix F ist hier mit einem Tele-Vorsatz versehen worden.

Lunasix F Manual/Handbuch: die wichtigsten Funktionen im Überblick.
Lunasix F Manual/Handbuch: die wichtigsten Funktionen im Überblick.

Der aufgesetzte Tele-Vorsatz reduziert den Messwinkel von 30° auf wahlweise 15° oder 7,5°. Es lassen sich so relativ genau definierte Bildbereiche ausmessen. Bei großen Helligkeitskontrasten im direkten Umfeld der angepeilten Bildbereiche soll es aber zu ungenauen Messungen kommen. Mir ist das aber noch nicht aufgefallen. Für mich reichten die 7,5° bisher immer vollkommen, andere Leute vermissen allerdings gerade dieses Feature am Lunasix F.

Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass sich am Lunasix F die Torzeit nicht regeln lässt. Der Belichtungsmesser misst beim Blitzen immer die Lichtmenge, die innerhalb 1/60 Sekunde einfällt. Also 1/60 Sekunde Umgebungslicht plus das Licht des Blitzes (der leuchtet immer kürzer als 1/60).

Blick durch den Sucher des Gossen Tele Vorsatz
Blick durch den Sucher des Gossen Tele Vorsatz. Die Unschärfe am Rand resultiert aus der mangelhaften Randschärfe der verwendeten Makrolinse (ein umgekehrtes Planar vor einem Tessar). Der rote Kreis markiert den 15° Bereich, der grüne Ring – welch‘ Überraschung – den 7,5° Ausschnitt.

Modernere Belichtungsmesser können gerade in diesem Bereich punkten, da hier häufig eine Torzeit entsprechend der eingestellten Verschlusszeit an der Kamera eingestellt werden kann und außerdem so Features wie der Kontrast zwischen Umgebungslicht und Blitzlicht gemessen werden können. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nicht so weit in die Materie eingestiegen bin sondern mit dem einfachen Blitzen und Messen immer gut gefahren bin – was vielleicht auch daran liegt, dass ich beim Blitzen (anders als bei Available Light) gerne mit geschlossener Blende und häufig abends arbeite, wodurch das Umgebungslicht kaum eine Rolle spielt.

Ein weiteres Manko des Lunasix F ist der, dass die Kalotte, die bei Lichtmessung verwendet wird, starr an der Vorderkante des Belichtungsmessers angebracht ist. Es kann als nicht flach am auszumessenden Objekt gemessen werden. Ich habe mir hier geholfen, indem ich mir für kleines Geld den

besorgt habe. Dessen Messfläche liegt an der Oberseite. Da es sich um eine Fläche handelt und nicht um eine Halbkugel, eignet sich der Repro Vorsatz außerdem gut, um selektiv zu messen, ohne dass ungewolltes Licht anderer Blitzlampen seitwärts auf die Kalotte trifft. Der Repro-Vorsatz ist also vergleichbar zum Beispiel mit einem Minolta Flat Diffuser. Allerdings ist der Gossen Repro Vorsatz deutlich günstiger zu bekommen – wenn man etwas geduldig ist schon ab 10 bis 15 Euro.

Der Repro Vorsatz kann am Lunasix F als Flat Diffuser zum selektiven ausmessen einzelner Lampen im Studio verwendet werden.
Der Repro Vorsatz kann am Lunasix F als Flat Diffuser zum selektiven ausmessen einzelner Lampen im Studio verwendet werden.

Auch wenn der Reprovorsatz nicht schwenkbar ist, kann man sich hier behelfen, indem der Vorsatz einfach verkehrt herum am Lunasix F angebracht wird.

Lunasix F mit Gossen Repro Vorsatz
Einige Erweiterungen für den Lunasix lassen sich auch verkehrt herum anbringen.

Auf der Website des Herstellers Gossen kann man noch die Bedienungsanleitung im PDF-Format herunterladen.

Regula Variant 740-2 MFD: der perfekte Strobisten Blitz

Heute möchte ich einen interessanten Strobigsten Blitz vorstellen, den Regula Variant 740-2 MFD. Der Blitz wird leider nicht mehr hergestellt ist aber noch relativ häufig – und vor allem günstig – auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Es gibt ihn auch unter anderem Namen als Porst MDC 400-2 und Carena MDC 400-2. Diese drei Geräte sind jedoch bis auf den Aufdruck komplett identisch.

Der Regula Variant 740-2 MFD und seine baugleichen Zwillinge Porst MDC 400-2 und Carena MDC 400-2.
Der Regula Variant 740-2 MFD und seine baugleichen Zwillinge Porst MDC 400-2 und Carena MDC 400-2.

Anscheinend gibt es auch noch eine Variante dieses Blitzes ohne zweiten Aufhell-Reflektor an der Front. Zumindest gibt es von Regula eine Anleitung für beide Blitze: 740-1 MFD und 740-2 MFD zusammen. Demnach sollte es auch die Carene/Porst Variante mit nur einem Blitzreflektor und dem Namenszusatz 400-1 geben. Tatsächlich habe ich diesen Blitz noch nie bei eBay oder anderer Recherche im Netz jemals gefunden.

Vorsicht! Verwechslungsgefahr: Regula Variant 740-2 MC

Der Regula Variant 740-2 MC ist eine abgespeckte Version, die ich nicht empfehlen kann, da der MC gegenüber dem MFD keine manuelle Regelung der Blitzleistung ermöglicht. Und genau da liegt der Vorteil des 740-2 MFD, der ihn als Strobisten Blitz so interessant macht.

Regula Variant 740-2 MFD Rückseite
Der 740-2 MFD kann daran erkannt werden, dass er rechts einen Schalter M/C hat, an dem zwischen Computer und Manuell umgeschaltet werden kann. Der untere Schieberegler steuert dementsprechend entweder die Blitzleistung (1/1 1/2 1/4 1/8 1/16) oder das Computerprogramm (I II III IV V).

Manuelle Steuerung der Blitzleistung in Zeiten von E-TTL & Co. Ist das noch aktuell?

Alle Welt redet von TTL-Blitzsteuerung, warum also so etwas antiquiertes wie manuelle Steuerung der Blitzleistung? Diese Frage wird häufig gestellt, wenn unerfahrene Fotografen sehen, dass man seine moderne digitale Spiegelreflex-Kamera zusammen mit 30 Jahre alten Blitzgeräten verwendet. Doch was ist der Vorteil von manueller Blitzregelung? Kurz gesagt, man kann die Beleuchtung (nicht Belichtung) deutlich vielfältiger steuern, als wenn man dieses einer Automatik überlässt.

Ein Blitz wirkt unnatürlich – warum wirken dann zwei nicht noch unnatürlicher?

Wir alle kennen das, der eingebaute oder aufgesteckte Blitz leuchtet das Bild zwar frontal gut aus, es ist alles gut zu erkennen – aber wirklich schön sieht das Bild nicht aus. Vor allem geht die räumliche Wirkung des natürlich (oder auch durch Lampenarrangements) vorhanden Lichts kaputt, wird brutal von vorne ausgeleuchtet. Hinzu kommen unschöne Schlagschatten an der Wand hinter dem fotografierten Objekt. Demgegenüber fehlen beim frontalen Blitz die Schatten im Gesicht, die bei seitlichem Licht entstehen würden und uns helfen, die Dreidimensionalität in einem zweidimensionalem Foto zu erfassen.

Fotostudio mit nur einem Blitz?

Jeder der einmal bei einem Fotografen Bewerbungsfotos hat anfertigen lassen, weiß, dass in einem professionellen Fotostudio nicht nur ein Blitzlicht zur Anwendung kommt. Hier gibt es ein Licht von der Seite – meistens eine große Softbox, auch Lichtwanne genannt, die ein weiches Licht abstrahlt. Eine oder mehrere Lampen leuchten der Hintergrund aus und ein weiteres Licht zaubert einen Glanz von oben in die Haare (dies ist das Headlight). Eine Beautydish hellt das Licht auf der Seite des Gesichtes auf, dass dem Hauptlicht abgewandt ist. Wir sehen also, dass hier viele verschiedene Blitze zum Einsatz kommen, die alle natürlich mit unterschiedlicher Intensität das Bild ausleuchten. Und glauben Sie mir, keine Automatik der Welt kann bestimmen, welche Lampen mit welcher Intensität blitzen sollen, dies kann nur die kreative Vorstellungskraft eines geübten Fotografen entscheiden.

Fotostudio im Rucksack

Und hier kommt die manuelle Regelung der tragbaren Blitze ins Spiel. Ursprünglich wurden diese Blitze dafür konzipiert, dass sie auf die Kamera gesteckt werden um das Foto frontal auszuleuchten. Da es zu Beginn keine Automatik-Programme an den Blitzen gab, mussten die Fotografen die richtige Blende mittels Entfernung und Blitzleistung abschätzen bzw. ausrechnen.

In den 1970er Jahren kamen dann Blitzgeräte auf den Markt mit einem sogenannten Thyristor, der die Blitzleistung regelt. Ein weiterer Sensor misst hierbei die reflektierte Lichtmenge und schaltet den Blitz innerhalb von Tausendsteln von Sekunden aus, sobald eine ausreichende Lichtmenge reflektiert wird. Diese – damals – neuartigen Blitze haben also die Möglichkeit, die Blitzleistung zu regeln, häufig fehlt hier jedoch eine manuelle Einstellmöglichkeit, da man den Anwendern ja gerade die Arbeit des Rechnens und Schätzens abnehmen wollte. Stattdessen braucht auf der Rückseite des Gerätes die Blende und Filmempfindlichkeit angegeben werden und der eingebaute Prozessor regelt die Blitzleistung vollautomatisch. Eine manuelle Regelung einzubauen, wäre aus dieser Sicht absurd gewesen.

Daher gibt es nur wenige hochwertige Steck-Blitze, die für professionellere Anwender gedacht sind und eben das Feature der manuellen Regelbarkeit enthalten oder als Nachrüstsatz bieten, wie zum Beispiel die Metz Stabblitze, die durch Zusatzgeräte erweitert werden konnten.

Der Regula Variant 740-2 MFD ist einer der wenigen Kompakt-Blitzgeräte, der sich auch manuell regeln lässt. Ein weiterer Vertreter mit ähnlicher Leistung sind der Vivitar 285 HV / 283 oder der Sunpak 383, auf die ich weiter unten noch kurz eingehe. Der 740-2 hat ein zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ist der Blitz gebraucht für 10 bis 20 Euro z. B. bei eBay zu bekommen. So lässt sich leicht ein Set von zwei bis vier Blitzen zusammenstellen, mit denen man ein mobiles Fotostudio aufbauen kann.

Blitzspannung kann die Elektronik einer digitalen Spiegelreflexkamera zerstören

Weiterhin ist mir bisher kein Exemplar untergekommen, dass eine höhere Spannung als 12 Volt an den Blitzkontakten aufweist. Gerade der Vivitar ist erst seit Ende der 1990er Jahre mit einer geringen Blitzspannung zu bekommen. Die älteren Modelle haben ca. 300 Volt Spannung auf den Kontakten – und das kann das Ende für moderne Spiegelreflexkameras bedeuten.
In der folgenden Liste kann die Blitzspannung verschiedener Blitzgeräte nachgeschlagen werden.

Spannung am Blitzschuh des Regula Variant 740-2 MFD
Mit einem Spannungsmesser lässt sich die Spannung am Blitzschuh des Regula Variant 740-2 MFD messen. In diesem Fall sind es ca. 12 Volt.

Ich stelle im folgenden eine bei dem Online-Auktionshaus eBay zur Verfügung. Mit ein bisschen Glück findet man den Blitz für 10 bis 20 Euro.

Der Vivitar 283 (Affiliate-Link) bzw. 285 (Affiliate-Link) ist vor allem in den USA weit verbreitet. Die neue Version 285 HV (Affiliate-Link) ist für moderne Kameras angepasst worden, indem die Trigger-Spannung reduziert wurde. Vorteil: kann noch als Neugerät (in dieser Form seit den 1970er Jahren!) mit Garantie gekauft werden. Nachteil: die ältere Version (ohne HV) braucht einen Aufsatz, um die Belichtung manuell einstellen zu können. Der 285 HV wird mit Vari Power Modul zur manuellen Steuerung geliefert. Ich mag den Vivitar gerne, da er robust ist und irgendwie schick aussieht, allerdings hatte ich nur einmal die alte 283 Variante mit ca. 300 Volt Spannung am Blitzfuß. Auch bietet das Vari Modul anscheinend nur vier Regelstufen: 1/1 1/2 1/4 1/16. Der Regula Variant bietet außer diesen noch die Stufe 1/8.

Eine weitere Alternative ist der Yongnuo Speedlite YN 465 (Affiliate-Link), ein chinesisches Modell, das zusätzlich zu manueller Regelbarkeit noch eine E-TTL II Funktionalität aufweist, also kompatibel mit der Blitzautomatik von modernen Canon EOS Spiegelreflexkameras (D-SLRs) ist. Ich bin mit meinem zufrieden, habe mir aber nur einen geholt, da ich keinen Gebrauch für mehr als einen E-TTL-Blitz habe. Der YN 465 kann wie folgt geregelt werden: 1/1 1/2 1/4 1/8 1/16 1/32 1/64 1/128 und ist außerdem recht günstig zu haben. Den aktuellen Nachfolger YN 468 II kenne ich leider nicht, aber was soll da schon schlechter geworden sein? (Es gibt auch eine Variante für Nikon).

Von Yongnuo gibt es auch einen rein manuellen Blitz, den Yongnuo YN 560 II (Affiliate-Link). Ich selbst kenne ihn nicht, aber von den Amazon-Beschreibungen her macht er einen sehr guten Eindruck.